Experten-Beiträge: "Der richtige Arzt oder Klinik sind entscheidend"

Aortenaneurysma: Voraussetzungen für eine gute Behandlung

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. med. Jan Brunkwall
(Direktor der Gefäßchirurgie an der Uniklinik Köln)

Das Aortenaneurysma entsteht durch eine Schwäche der Gefäßwand der Aorta (Hauptschlagader). Die Hauptschlagader kommt aus dem Herzen und läuft vor der Wirbelsäule in den Bauchraum und gibt Äste für die Versorgung der Organe und von Armen und Beinen ab, die den Körper mit sauerstoffreichem Blut versorgen.
Bei einer Erweiterung der Hauptschlagader (die im Bauch ca. 2 cm breit ist) besteht die Gefahr des Platzens. Hier gilt das gleiche Prinzip wie beim Fahrradschlauch “je größer die Beule, desto größer ist das Platzrisiko”. Ab einer Größe der Bauchaorta von 3 Zentimetern spricht man von einem Aneurysma, und ab 5 Zentimetern besteht grundsätzlich die Operationsindikation. Die meisten Aortenaneurysmata befinden sich im Bauchraum. Männer sind fast zehnmal so oft betroffen wie Frauen. Die Mehrheit der Patienten haben das Rentenalter erreicht, wenn die Diagnose gestellt wird. Die Risikofaktoren sind Bluthochdruck, männliches Geschlecht, Rauchen sowie ein vererblicher Faktor. Der letzte stellt sich so dar, dass jeder vierte Sohn und jeder dritte Bruder ein Aneurysma entwickelt. Für die Frauen ist das Risiko niedriger bei etwa fünf bis zehn Prozent.
Zur Zeit gibt es keine Medikamente oder nicht operative Maßnahmen, die ein Aneurysma zurückbilden können. Einige Medikamente werden allerdings ausprobiert, um den Größenzuwachs zu stoppen.

Die Operation des Aneurysmas kann prinzipiell entweder offen (Bauchschnitt) oder endovaskulär („über die Leiste“) durchgeführt werden. Die offene Operation bedeutet, dass das Aneurysma nach Abklemmung der Zu- und Abflüsse aufgeschnitten wird und ein Kunststoffrohr als neue Innenwand eingenäht wird. Dann wird die alte Aneurysmawand als Schutz darüber geschlagen und zusammengenäht.

Die endovaskuläre Methode bedeutet, dass eine ähnliche Kunststoffprothese durch die Leistenarterie eingeführt wird und von innen mit einer Metallfeder statt Nahtreihe an der Gefäßwand fest verankert wird. Dies geschieht in einem Bereich, wo die Aorta nicht erweitert ist. Die Voraussetzung ist natürlich, dass eine entsprechend gute Verankerungszone vorhanden ist. Sollte dies nicht der Fall sein, kann man die Verankerungzone höher verlegen, indem Seitenarme für Nierengefäße und Darmgefäße angelegt werden. So können heutzutage fast alle Aneurysmen „von innen“ mit Stentprothesen versorgt werden.

Die offene Operation ist seit über 60 Jahren machbar, und in den letzten 30 Jahren sind viele Ergebnisse publiziert worden. Für das endovaskuläre Verfahren überblicken wir jetzt eine über 20-jährige Verwendung mit erheblichen Fortschritten - sowohl was die Materialwahl betrifft als auch für welche Patienten sich die Methode eignet. Zusätzlich ist für die endovaskuläre Versorgung eines Aortenaneurysma die Bildgebung (Röntgen) bei der Operation extrem wichtig. Je komplizierter der Fall, desto besser muss die Röntgenanlage sein. Dies hat dazu geführt, dass eine komplette Röntgenanlage in den Operationssaal eingebaut wird. Ein solcher Saal nennt sich dann “Hybridoperationssaal”.

Die Ergebnisse der beiden Operationstypen ist auf lange Sicht gleich, jedoch ist die Sterberate im ersten Monat nach der Operation für das endovaskuläre Verfahren signifikant niedriger als für die offene Operation. Die bundesweiten Zahlen liegen bei zirka 4-5% für die offene Operation und 1,5-2% für die endovaskuläre Technik. Die Unterschiede der Häuser ist sehr schwankend. Hier spielen Faktoren wie persönliche Erfahrung und Häufigkeit der Operation eine große Rolle. Feste Zahlen zu der Mindestmenge gibt es hier nicht, aber es ist in ausländischen Studien gezeigt worden, dass wenn der Operateur weniger als 10 offene Bauchaortenaneurysmaoperationen im Jahr macht, die Sterberate um das dreifache höher sein kann. Für das Krankenhaus liegt die Zahl bei >80 Operationen. Für die endovaskuläre Operation gibt es noch weniger publizierte Daten, aber auch hier spielt natürlich Erfahrung eine große Rolle. In der heutigen Zeit, wo Deutschlandweit etwa 50% der Fälle endovaskulär operiert werden, sollten wahrscheinlich etwa >80 Patienten im Jahr in einer Abteilung operiert werden, um die beste Qualität zu erzielen.

Für den Patienten stellt sich natürlich die Frage, welche Anforderungen an die Abteilung/Operateur gestellt werden können, um sicherzustellen, dass eine gute Behandlung gewährleistet ist. Man sollte fragen, wie oft die Operation durchgeführt wird, ob es eine gute Röntgenanlage (Hybridoperation) gibt und wie die Ergebnisse sind. Als Hinweis für das Volumen per Krankenhaus kann man im Internet die Seite www.weisse-liste.de aufrufen. Hier kann man finden, ob die genannte Zahl von Operation zutrifft oder nicht. Da Ergebnisse noch nicht von allen Häusern veröffentlicht wurden, muss man hier Vertrauen haben. Ob es einen Hybridoperationssaal gibt oder nicht, ist in den meisten Fällen bekannt.

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