Experten-Beiträge: "Der richtige Arzt oder Klinik sind entscheidend"

Behandlung von Depressionen: der “richtige” Arzt ist nicht so leicht zu finden

Ein Gastbeitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Arnim Quante
(Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité, Berlin)

Zuallererst die gute Nachricht: Eine Depression ist gut behandelbar. Trotzdem werden auch heutzutage ca. 50 % aller depressiven Patienten nicht als solche erkannt. Einerseits können die Symptome einer Depression vielfältig sein, andererseits sprechen immer noch viele Patienten nicht gerne über ihr psychisches Befinden. Zudem kommt, dass der Gang zu einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder aber einen psychologischen Psychotherapeuten für einige Patienten mit einem Stigma behaftet ist. Dabei sind Depressionen auf dem Vormarsch: Immer mehr Menschen können aufgrund von depressiven Episoden nicht mehr arbeiten. Die Zahl der Krankheitstage ist zunehmend und gehört zusammen mit Herz-Kreislauferkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen, die zu einer Krankschreibung führen. Neben der starken Belastung für die Patienten hat das natürlich auch ökonomische Folgen.

Es ist daher wichtig, die Erkrankung auch als solche zu erkennen. Jeder kennt das Gefühl von Traurigkeit, welches ein normales menschliches Gefühl ist. Jedoch schaffen wir es in der Regel, diese Traurigkeit nach einer bestimmten Zeit zu überwinden. Bei einigen Menschen besteht jedoch eine „grundlose Traurigkeit“, häufig gepaart mit anderen Symptomen wie Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Selbstwertproblemen, Schlafstörungen. Symptome wie niedergedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit (d.h. sich nur schwer „aufraffen“ zu können, Dinge zu erledigen, die früher problemlos von der Hand gingen) und Interesselosigkeit über einen Zeitraum von über 2 Wochen sollten Anlass sein, einen Facharzt aufzusuchen. Es gibt auch diverse kurze Selbsttests im Internet, die zumindest Hinweise auf das Vorliegen einer Depression geben können.

Die Wahl des „richtigen“ Arztes ist sowohl für Diagnostik als auch für Therapie entscheidend. Im Rahmen des Erstkontaktes sollte eine genaue Diagnostik erfolgen – dazu gehört neben der ausführlichen psychiatrischen Untersuchung auch die körperliche Untersuchung, die Einbeziehung aller verfügbaren Befunde bzw. das Veranlassen solcher (zum Beispiel Laborbefunde), da andere (körperliche) Ursachen, die ebenfalls eine depressive Symptomatik auslösen können, ausgeschlossen werden müssen. Alleine schon diese selbstverständliche Diagnostik wird nicht überall gleichermaßen durchgeführt, weswegen es wichtig erscheint, an den „richtigen“ Kollegen zu geraten.

Nach der Diagnostik folgt die Behandlung, die ebenfalls sehr vielfältig gestaltet werden kann. Je nach Schwere der Depression gibt es nach den aktuellen S3-Leitlinien Behandlungsempfehlungen, die sowohl Psychotherapie als auch eine medikamentöse Therapie einschließen – als alleinige Therapie oder in Kombination. Letztlich sollte jedoch für jeden Patienten eine individuelle Therapie angeboten und eingeleitet werden. Dabei hat sich die partizipative Entscheidung, das heißt eine Entscheidungsfindung gemeinsam von Arzt und Patient, als positiv herausgestellt. Hierbei werden von dem Arzt die therapeutischen Möglichkeiten aufgeführt und die Vor- und Nachteile der verschiedenen Therapien erörtert. Letztlich wird dann die Entscheidung für oder gegen eine Therapie gemeinsam getragen. Ein wichtiger Pfeiler ist hierbei die Psychoedukation, das heißt das genaue Aufklären über die Erkrankung, die Ursachen und die Therapiemöglichkeiten. Bezüglich der Therapiemöglichkeiten sollte sich der Patient zuvor informieren, ob der Kollege beispielsweise auch eine Psychotherapie anbietet und wenn ja, welche Form der Psychotherapie. Gerade niedergelassene Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie können, neben der Grundversorgung von psychisch erkrankten Menschen, aus zeitlichen Gründen nicht immer auch eine wöchentliche Psychotherapie anbieten. Hier könnte es sich anbieten, neben dem Arzt auch einen psychologischen Psychotherapeuten für die Psychotherapie in die Behandlung einzuschließen. Der Facharzt sollte auch diesbezüglich den Patienten genau über die geeignete Psychotherapieform aufklären, die ebenfalls individuell unterschiedlich ausfallen kann.

Wie Studien gezeigt haben, gibt es jedoch einen Anteil an Patienten, die als „therapieresistent“ bezeichnet werden können. Bei bis zu 30 % aller Patienten wird keine Remission (d.h. die vollständige Rückbildung aller Symptome) erreicht. In diesen Fällen, aber auch bei chronischen Depressionen (nach der neuen DSM-V-Klassifikation: persistant depressive disorder), die über 2 Jahre anhaltend sind, sollten Spezialisten für affektive Störungen involviert werden. Auch für diese Patienten gibt es vielerlei Optionen der Behandlung, die jedoch nicht überall angeboten werden. Diese Optionen schließen spezielle Psychotherapien, wie z.B. CBASP („Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy”) ein, aber auch spezielle pharmakotherapeutische Interventionen (zum Beispiel Kombinationstherapien). Daneben gibt es weiterhin Stimulationstherapien wie zum Beispiel die Elektrokonvulsionstherapie (EKT), die jedoch nicht flächendeckend angeboten wird und in der Regel erstmal vollstationär durchgeführt wird. Bezüglich dieser therapeutischer Intervention gibt es in der Bevölkerung, aber auch unter einigen Kollegen gegensätzliche Meinungen. Zu den Aufgaben des Arztes gehört es, diese Therapieoption objektiv zu erläutern – dies ist sicher am besten möglich, wenn der Arzt selbst schon Erfahrungen mit diesem Verfahren sammeln konnte. Daher gilt auch hier: es wäre von großem Vorteil, einen Experten zu finden, der sowohl über psychotherapeutische, als auch über pharmakologische Expertise verfügt und bei chronifizierten Verläufen auch über Stimulationsbehandlungen aufklären kann und diese Therapien auch einleiten kann (zum Beispiel durch Zusammenarbeit mit Kliniken, die Stimulationstherapien anbieten). Hinzu kommt natürlich immer der menschliche Faktor: Empathie, Verständnis, „Wellenlänge“.

Es ist für Patienten nun nicht ganz einfach zu erkennen, über welche Expertise die einzelnen Kollegen genau verfügen, ob und wenn ja welche Psychotherapie sie anbieten und wie sie gegenüber Stimulationstherapien eingestellt sind. BetterDoc bietet, meiner Meinung nach, hier ein sehr gutes Angebot. Insbesondere für die, leider nicht seltenen, chronischen und therapieresistenten Verläufe ist die Wahrscheinlichkeit, einen geeigneten Spezialisten zu finden, über BetterDoc sehr viel größer.

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