Experten-Beiträge: "Der richtige Arzt oder Klinik sind entscheidend"

Das Lungenkarzinom: die Wahl der Klinik macht den Unterschied

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. med. Hendrik Dienemann
(Chefarzt der chirurgischen Abteilung und ärztlicher Direktor der Thoraxklinik Heidelberg)

Das Lungenkarzinom stellt in Deutschland die häufigste Krebstodesursache und die zweithäufigste Todesursache bei Männern dar. Jährlich versterben 44.000 Menschen mit dieser Diagnose und im selben Zeitraum kommen 48.000 Neuerkrankungen hinzu.

Bei den meisten Betroffenen (85%) ist das Rauchen die Ursache für die Krebsentstehung, aber auch Passivraucher erkranken in beträchtlicher Zahl.

Je früher die Erkrankung entdeckt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Kleine Tumore mit einem Durchmesser von bis zu 2 cm werden in der Regel operiert, und die Wahrscheinlichkeit, 5 Jahre zu überleben, beträgt mehr als 90%. Auch größere Tumore werden mit gutem Erfolg operiert, sofern noch keine Metastasen (Absiedelungen in andere Organe oder bestimmte Lymphknoten) vorliegen.

Bedauerlicherweise kommen mehr als 60% aller Patienten zu spät zum Arzt. Diesen Betroffenen kann keine Operation mehr helfen und die Heilungschancen sind trotz Bestrahlung und Chemotherapie sehr gering, die Prognose ist entsprechend ungünstig.

Die Forschung der letzten 20 Jahre hat erhebliche Verbesserungen in Diagnostik und Therapie erbracht:

So werden heute die meisten Patienten mit einem frühen Stadium ihrer Krebserkrankung mit der sogenannten Schlüssellochmethode operiert. Dies bedeutet, dass aufgrund wesentlich kleinerer Schnitte am Brustkorb Rippenverletzungen vermieden werden, infolge dessen weniger Schmerzen entstehen und deshalb der Krankenhausaufenthalt deutlich abgekürzt werden kann.
Seit wenigen Jahren werden bestimmte Patienten auch nach erfolgreicher Operation zusätzlich einer Chemotherapie unterzogen, womit die Langzeitprognose noch weiter verbessert werden kann.
Bestimmte genetische Merkmale prädestinieren manche Patienten für eine sog. zielgerichtete Therapie, d.h. sie erhalten anstelle einer klassischen Chemotherapie eine Medikamentenauswahl, die weitgehend selektiv die Tumorzellen angreift, deshalb besser wirkt und auch besser verträglich ist.

Gegenüber früheren Jahren sind die Behandlungskonzepte heute sehr viel individueller. Aus diesem Grund werden Therapieentscheidungen durch ein Team von spezialisierten Fachärzten (sog. Tumorboard) gefällt. Dies stellt sicher, dass alle geforderten Disziplinen (Lungenfachärzte, Thoraxchirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten u.a.) auf der Grundlage gesicherter Daten (Evidenz) ihre Kompetenz einbringen.

Besonders erfahrene Kliniken sind durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert und dürfen sich als „Lungenkrebszentrum“ bezeichnen. Voraussetzung hierfür sind zahlreiche Qualitätsmerkmale wie etwa die Infektionsrate oder Sterblichkeit nach Operationen. Gleichzeitig muss ein hohes Patientenaufkommen belegt werden, eine unerlässliche Voraussetzung für den Erwerb der Expertise. Ganz besonders deutlich wird dies auf dem Feld der Thoraxchirurgie. So ist belegt, dass die Operationssterblichkeit in Kliniken mit weniger als 25 Operationen/Jahr doppelt so hoch ist wie in Einrichtungen, die mehr als 100 Operationen/Jahr ausführen. Ebenso ist nachgewiesen, dass auch die Langzeitprognose besser ist, wenn erfahrene Chirurgen den Eingriff an der Lunge vornehmen.

Betroffene Patienten sollten sich im eigenen Interesse an ein Lungenkrebszentrum wenden, da Beratung, Diagnostik und Behandlung stets nach aktuellen Erkenntnissen erfolgen. Auch für die Einholung einer Zweitmeinung stehen diese Einrichtungen zur Verfügung. Einen Adressennachweis finden Sie auf der Homepage der Deutschen Krebsgesellschaft oder der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie.

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